Teil 2: Ein TNbericht zu advanced nlp oder Einsicht
Der nächste Tag…
Wie mache ich mich?
Dieser begann mit einer Meditation, auf freiwilliger Basis, wie alles hier. Jeder konnte sich in dem Grad einbringen wie er wollte oder wie es ihm gut tat. E-in-sich-tig eben. Die Philosophie wurde nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt.
Für mich war die Dreiviertelstunde innerer Einkehr vor dem Frühstück ein erster Einstieg auf dem Weg zum Ich. Abschalten, loslassen, sanft geführt in eine Welt der Ruhe und Stille… Ich kam das erste Mal seit langem wieder zu mir, einfach so. Ohne Druck, ohne Ziel, lediglich im Treiben und Geschehen lassen. Ich merkte wie ich mich entspannte und wie der Kopf leichter wurde, heller und klarer.
Nach dem Frühstück stiegen wir in die Sprache ein, in die ersten holperigen Lernversuche zum Thema „Wie mache ich mich?“ Jede Beschreibung mussten wir in eine aktive Formulierung umsetzen; wir als Macher unserer Realität. Die Regeln waren streng. Konsequent wurde jede Aussage daraufhin überprüft, ob wir auch wirklich uns als die Außenwelt gestaltend einbrachten. Die Veränderung verdeutlichte, wie groß unser Anteil an unserer Realität war. Es hieß auf einmal „ich mache mich ärgernd“, statt „ich ärgere mich“, oder „ich mache das Du in mir mich nervend“, statt einfach „Du nervst mich“. Natürlich mussten wir auch Positives aktiv wiedergeben. „Ich mache den Tag schön“, statt nur „Es ist ein schöner Tag“. Da wurde auch dem letzten in der Gruppe die Dynamik klar, die Macht, die diese Sprache, die zur Selbstreflektion geradezu herausforderte, hatte. Es fiel uns wie Schuppen von den Augen. Natürlich konnte uns der andere nur nerven, wenn wir dies zuließen. Als uns auch noch bewusst wurde, dass wir es selbst sind, die sich uns einen schönen Tag als solchen präsentierten, erlebten wir den gefühlten Genuss weit intensiver als zuvor. Es lag mit in unserer Verantwortung, wie wir uns in einer Situation machten. Wir waren tatsächlich die Gestalter unserer Realität.
Noch sahen wir das eher aus der Distanz, anhand von Beispielen, die uns unser Trainer gab. Wir mussten tiefer in die Sprache vordringen, sie zu einer Selbstverständlichkeit werden lassen, zur Orientierung. Wir übersetzten Begebenheiten und Träume in die E-in-sich-t-Sprache, schriftlich und mündlich, Wort für Wort. Das war anfangs mühsam, teilweise zäh, da wir jeden Satz auf seine E-in-sich-t-igkeit hin abklofen mussten. Der Sinn, der sich danach ergab, bis hin zu Brisanz, ließ tief blicken. Es war prickelnd, für jeden von uns. Die Formulierungen fielen uns bereits leichter. Die Neugierde auf neue Erkenntnisse spornte uns an. Wir kamen dem eigenen Ich näher, in gemeinsamer Anstrengung, uns gegenseitig korrigierend in die Sprache führend. Und doch jeder für sich, auf seine ihm eigene Weise.
Der Weg in sich
Begleitend lockerten Filme, die hinter die Kulissen schauten, Übungen, die die Wahrnehmung schärften, Spiele, in denen wir uns ausprobieren und erfahren konnten, Highlights mit Aha-Effekten die zunächst anstrengenden Sprachphasen auf. Mit der Zeit bekam ich einen anderen Bezug zu mir. Mich immer mehr selbst reflektierend, in meinem Befinden, in meinen Äußerungen und in der Erforschung meines Ichs wurde ich präsenter. Ich erlebte mich stärker im Hier und Jetzt. Die täglichen Meditationen unterstützten mich dabei, mich auf das, was der Tag bringen würde, einzulassen. Sogar Mahlzeiten wurden zum Abenteuer der Selbst-Erfahrung. Wie esse ich, wie sitze ich, wie schmeckt es, wie fühle ich mich dabei. Die eigene Präsenz erfüllte mich mit Ruhe. Ich konnte die Minuten auskosten, mein Befinden spüren. Ich nahm mich wahr, physisch und psychisch, in meinen Bewegungen, in meinem Denken. Ich fing die Signale meines Körpers und meines Geistes auf und konnte bewusster auf mich selbst reagieren, wenn ich einmal – ganz banal – nicht bequem saß, mich inkongruent verhielt oder auch wenn ich guter Laune war. Ich begann, mich zu machen. Jeder Augenblick wurde wertvoll, das Leben in voller Selbst-Bewusstheit zeigte sich vielfältig und interessant. Gewohnheit wich Aufmerksamkeit. Aktion ersetzte Reaktion.
Allmählich glitten wir als Gruppe in die E-in-sicht-t-Orientierung. Die Sprache bekam eine Selbstverständlichkeit. Unsere Um-Orientierung wurde begleitet von weiterem theoretischen Input, der sich im Lauf der tastenden Annäherung bestätigte und mit der Praxis verzahnte: E-in-sich-t ist wertfrei. Ein Verhalten ist wie es ist. Es gibt weder Lob noch Tadel. Mit E-in-sich-t mache ich mich gleichmütig, nicht zu verwechseln mit gleichgültig und ich verletze nicht. Dieses Fundament war entscheidend für die Akzeptanz einerseits der eigenen Person und andererseits des erlebten Außens. Erst auf dieser Basis war die Möglichkeit zur intensiven Selbstreflektion für alle eine echte Option…


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