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Die Geschichte vom Bleistift

Der Junge sah zu, wie die Großmutter einen Brief schrieb. Irgendwann fragte er:

“Schreibst du eine Geschichte die uns passiert ist? Ist es vielleicht sogar eine Geschichte über mich? ”

Die Großmutter hielt inne, und mit einem Lächeln sagte sie zu ihrem Enkel:

“Es stimmt, ich schreibe über dich. Aber wichtiger als die Worte ist der Bleistift, den ich benutze. Es wäre schön, du würdest einmal so wie er, wenn du groß bist.”

Der Junge schaute den Bleistift verwirrt an und konnte nichts Besonderes an ihm entdecken. “Aber er ist doch genau wie alle anderen Bleistifte!”

“Es kommt darauf an, wie du die Dinge betrachtest. Der Bleistift hat fünf Eigenschaften, und wenn du es schaffst, sie dir zu eigen zu machen, wirst du zu einem Menschen, der in Frieden mit der Welt lebt.

Die erste Eigenschaft: Du kannst große Dinge tun, solltest aber nie vergessen, daß es eine Hand gibt, die deine Schritte lenkt.

Die zweite Eigenschaft: Manchmal muß ich das Schreiben unterbrechen und den Anspitzer benutzen. Dadurch leidet der Stift ein wenig, aber hinterher ist er wieder spitz.

Die dritte Eigenschaft: Damit wir Fehler ausmerzen können, ist der Bleistift mit einem Radiergummi ausgestattet. Du musst begreifen, daß Korrigieren nichts Schlechtes, sondern dringend erforderlich ist, damit wir auf dem rechten Weg bleiben.

Die vierte Eigenschaft: Worauf es beim Bleistift ankommt, ist nicht das Holz oder seine äußere Form, sondern die Graphitmine, die in ihm steckt. Also achte immer auf das, was in dir vorgeht.

Schließlich die fünfte Eingenschaft des Bleistifts: Er hinterläßt immer eine Spur. Auch du mußt wissen, daß alles, was du im Leben tust, Spuren hinterläßt, und daher versuchen, was du gerade tust, ganz bewußt zu machen.”

Paulo Coelho * Sei wie ein Fluß, der still die Nacht durchströmt

Ein Wegweiser für Leute die unterwegs sind – unterwegs zu sich selbst, zur Verwirklichung ihrer Träume, zur Bezwingung ihrer inneren Berge…..

8 Reaktionen zu “Die Geschichte vom Bleistift”

  1. Micha

    NLP macht mir klar, wie wichtig Flexibilität ist. Würde ich glauben, dass eine “Hand” meine Schritte lenkt, würde ich einiges an Flexibilität einbüßen. Für mich eine schreckliche Theorie, fast bedrohlich. Wer ist diese Hand? Auch welches der “rechte Weg” ist, verstehe ich nicht. Der Beitrag widerspricht damit meiner Ansicht nach der NLP-Grundannahme: “Menschen treffen innerhalb ihres Modells von der Welt grundsätzlich die beste ihnen mögliche Wahl.” Es definiert also (zumindest aus NLP-Sicht) niemand den “rechten Weg”. Was genau meint dieser Coelho mit “rechtem Weg” und was hat das mit NLP zu tun?

  2. Jochen

    Hallo Micha,

    und genau darin besteht doch die Flexibilität.
    Wie Du schon sagtest, der Mensch trifft immer zu jedem Zeitpunkt die richtige Wahl, basierend auf den Informationen und Möglichkeiten, die er zum Zeitpunkt als er die Wahl traf hatte.
    Wenn Du aber zu einem späteremn Zeitpunkt (Stunden, Tage, Jahre später) mehr Informationen und Möglichkeiten hast und die Wahl mit diesem Wissen anderst treffen würdest ist es doch eine Stärke und ein hohes Mass an Flexibilität, wenn Du den Fehler eingestehst um “auf den rechten Weg” zu kommen, also basierend auf den neuen Informationen noch einmal die richtige “rechte” Wahl triffst.

    Bin auf Euer Feedback gespannt.

    Liebe Grüße,
    Jochen

    P.S: Es gibt noch eine Eigenschaft, die dem Bleistift zugerechnet wird. Für seine Tätigkeit zehrt er sich vöiig auf.

    P.P.S: Dank Wasi für die Geschichte – das mit der Graphitmine im Inneren nehm ich für mich mit.

  3. Micha

    Hallo Jochen,

    gebe Dir in Deiner Anmerkung Recht. Klar ist es eine Stärke aus Fehlern zu lernen. Aber Du scheinst den Begriff des “rechten Weges” tatsächlich sehr frei zu interpretieren.
    Meiner Frage war eher, was mit dem (einen!, durch “die Hand” gelenkten) “rechten Weg” gemeint ist. Wenn ich dazu noch weiß, wer Paulo Coelho ist, wir mir klar, dass es um die Ziele wie Weltfrieden, Toleranz usw. geht, die er aus dem mystischen Begriff der “Weltenseele” folgert, wenn ich das richtig verstehe. Damit sind wir nah bei christlichen Wertevorstellungen, die z.B. ich als Atheist ablehne. Wen es interessiert warum, dem empfehle ich das Buch “Der Gottes Wahn” von Richard Dawkins. Aber das ist hier nicht Thema. Thema ist NLP und damit Flexibilität.
    Es ist ganz und gar nicht flexibel von einer “Hand” zu sprechen, die “uns” steuert. Das ist religiös. Daher meine Anmerkung.
    Für “uns” als angehende NLP-Coaches finde ich es (für uns selbst) wichtig, zu verstehen, dass jedes Weltbild seine Berechtigung hat. Das ist doch gemeint mit NLP-Ethik, findet ihr nicht? Daher finde ich – nach wie vor – diese Geschichte völlig unpassend für dieses Blog.

    unchristliche Grüße
    Micha

  4. Dirk

    Hallo Wasi,
    wie siehst du das?
    Grüße
    Dirk

  5. Wasi

    Hallo zusammen,
    vielen Dank für Eure Kommentare, sehr spannend zu lesen, was diese Kurzgeschichte auslösen kann.
    Als ich die Geschichte vom Bleistift gelesen habe, habe ich für mich Parallelen zu den Erfahrungen und Erlebnisse aus den NLP Practitioner und NLP Master Schulungstagen gezogen. JA, es kommt darauf an wie jeder einzelne Dinge betrachtet da jeder seine eigene Landkarte hat und somit für den einen es “nur ein gewöhnlicher Bleistift” ist und für den anderen dieser Bleistift eine ganz andere Bedeutung hat.
    “Du kannst große Dinge tun” – NLP lehrt uns, dass jeder von uns große Dinge tun kann, jeder kann sein Ziel erreichen.
    Die “Hand die deine Schritte lenkt” hat für den Autor durchaus eine religiöse Bedeutung, und auch hier hat doch jeder die Freiheit dieser Hand seine eigene Bedeutung zu geben – den Satz bringe ich in Verbindung mit persönlichen Erlebnissen in denen ich spüre “hey, da gibt es doch noch etwas da draussen, etwas viel grösseres, etwas was ich als Kopfmensch nicht erklären kann.” Benennen kann das doch jeder für sich.
    Und auch bei den Eigenschaften drei bis fünf kann ich für mich einen NLP Bezug herstellen. Das Verhalten zu korrigieren wenn erforderlich, darauf achten was in einem vorgeht und das jedes Verhalten Spuren hinterlässt wurde mir während der NLP Seminartage vermittelt.
    Die Anmerkung für den rechten Weg versteh ich nicht ganz, der Autor lässt diesen Satz undefiniert stehen, gibt also nicht vor was der rechte Weg ist. Wie sagt Dirk so schön “was auch immer das für jeden Einzelnen heissen mag.”

    Viele Grüsse,
    Wasi

    P.S. @ Micha und Jochen noch unbekannt – wäre schön, Euch beim nächsten Supervisionsabend persönlich kennenzulernen.

  6. Jochen

    Hi Micha,

    bei der Hand bin ich voll bei Dir, damit kann ich mich auch nicht identifizieren. Ich bin zwar kein Atheist sondern teile die Lebensanschauung des Buddhismus in vielen Bereichen aber auch dort vermisse ich keine allmächtige Hand, die meine Schritte leitet, sondern viel wichtiger ist mir, meinen rechten Weg selbst zu bestimmen und Verantwortung zu übernehmen.
    Deshalb finde ich das NLP auch so passend, da dies genau im NLP gelehrt wird z.B. Menschen haben alle Ressourcen in sich und es gibt viele Landkarten die alle akzeptiert werden.

    Ich finde diese Geschichte als guten Beitrag zu diesem Blog und freue mich zusammen mit Wasi über die rege Diskussion.

    Viele Grüße,
    Jochen

  7. Jochen

    Hallo Wasi,

    vielen Dank, dass Du die Geschichte mit uns geteilt hast und so ehrlich über Deine Deutung schreibst.
    Da die Realität in der Landkarte jedes Einzelnen anders interpretiert finde wird bin ich auch bei Deiner Deutung voll bei Dir (Sprache ist doch etwas schönes, oder?)

    Mit der Hand, die Dich leitet habe ich auch kein Problem, nur habe ich den Gedanken an diese allmächtige Hand irgendwann abgelegt, da sie für mich eine zu große Alibifunktion hatte und ich meine Verantwortung für mein Leben an diese “Hand” abgeben konnte und früher aus Bequemlichkeit auch öfters getan habe. Auch heute noch bin ich manchmal am schmunzeln wenn ich drüber nachdenke, das manche Sachen so machtvoll eintreten, dass man sich das ganze als Glück kaum vorstellen kann und dann liegt natürlich der Gedanken an eine Hand, die Schritte lenkt nahe.

    Ich wünsche Dir, diese Hand zu finden wenn Du sie suchst und brauchst und die Kraft Deine Verantwortung für Dein Leben nicht an diese Hand abzugeben.

    Liebe Grüße,
    Jochen

    P.S: Du kennst mich bereits, wir haben uns schon einmal bei einer Supervision getroffen.
    Leider werde ich es nicht zur nächsten Supervision von Dirk zu schaffen und stattdessen zum NLP Übungstreffen der Stuttgart-West Gruppe am 22.2. gehen.

  8. Micha

    Hallo Wasi,

    danke für Deine Antwort. Nun kann ich verstehen, was diese Geschichte aus Deiner Sicht mit NLP zu tun hat. Diese Erklärung hat mir in dem Beitrag gefehlt.
    Allerdings kann ich Dir nicht zustimmen, dass jeder für sich “die Freiheit” hat, zu bestimmen was “die Hand” ist. Denn das schließt die Ansicht aus, dass es gar keine “Hand” gibt. Das finde ich sehr intolerant und genau das stört mich an Religion.
    Zudem finde ich schrecklich, dass dies einem kleinen Kind erzählt werden soll. So wird schon früh ein Glaube geprägt, der Angst erzeugt vor einem “höheren”, “unsichtbaren”, “mächtigen”, was auch immer. Ein Kind hat doch noch gar nicht die Möglichkeiten, sich gegen so eine Manipulation zu wehren. Daher meine Kritik.

    Hallo Jochen,

    wenn Du Dir Deinen “rechten Weg” selbst bestimmst, begrüße ich das sehr. Hier wirst Du allerdings bei Coelho schnell auf “Korrekturen” stoßen, den er weiß sehr wohl, was der “rechte Weg” ist. Der Buddhismus kennt meines Wissens nach ja auch den “achtfachen Pfad”, der in den meisten Ausprägungen dieser Religion alles andere als Freiheit zulässt. Aber das ist ja Deine Sache, wie Du Deine Religion lebst und verstehst.
    Um zu NLP zurückzukommen, habe ich das bisher so verstanden, dass wir im Coaching-Gespräch zwar jede Landkarte tolerieren und den Teufel tun, eigene Meinungen abzugeben, sondern im Gegenteil alles aus dem Client kommen muss damit es funktioniert. Doch heißt das bei weitem nicht, dass ich alle Landkarten akzeptiere. Denn das geht ja gar nicht. Menschen und ihre Landkarten, sind verschieden und ich finde das sehr gut so.

    diskordische Grüße

    Micha

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